Die ursprüngliche Schleifladen-Orgel aus dem Jahr 1906 wurde in den 1960er Jahren mit Teilen einer nicht kompletten anderen Orgel zu einer Taschenladen-Orgel umgebaut und mit selbst gefertigten Orgelteilen auf 42 Register ergänzt. Die Taschenladentechnik war von der württembergischen Firma Friedrich Weigle 1890 erfunden worden. Weigle hatte mit den damals aufkommenden technischen Hilfsmitteln den Orgelbau revolutioniert und die Orgel elektrifiziert und damit preiswerter gemacht. Denn die in der manuellen Herstellung aufwendige und damit lohnintensive, rein mechanische Traktur war nicht mehr nötig und wurde durch Elektromagnete, elektrische Ventile, Pappröhrchen und Ledermembranen ersetzt. Man verwendete für unsere alte Orgel ein Konglomerat an Pfeifenmaterial von drei verschiedenen Orgeln, daher herrschten unterschiedliche Klangfarben vor. Einweihung der Orgel im März 1960 (Erbauer: E. Pfaff, Überlingen).
Die Taschenladen-Orgel enthält Tonventile und Ledermembranen etc.. Höhere Präzision und Geschwindigkeit waren auch insgesamt die Vorteile der Taschenlade. Der Nachteil ist jedoch bei dieser Technik vor allem, dass alle Arten von Membranen, Ventilen und Magneten auf Dauer Verschleiß und Undichtigkeit aufweisen - was sich aber erst nach ca. 40 Jahren herausstellt: hier handelt es sich um Bauteile mit begrenzter Lebensdauer! Danach wird eine kostenaufwendige Sanierung erforderlich – die wiederum nur 40 Jahre hält. Dann muss erneut kostenaufwendig saniert werden.
Im Jahr 2010 steht die Kirchengemeinde vor der Entscheidung: Generalüberholung (250.000 €) oder eine neue Orgel (450.000 €)? Um dieser Frage nachzugehen, findet sich ein Arbeitskreis ´Neue Orgel´ zusammen, um den damaligen Pfarrer Gerold Siegel bei der Lösung des Orgelproblems zu unterstützen. Stand er doch vor der schwierigen Entscheidung: Generalsanierung, Anschaffung einer neuen Orgel oder künftig nur noch die kleine Orgel im Altarraum nutzen? Vier renommierte Orgelbauwerkstätten wurden zur Angebotsabgabe eingeladen. Bei zwei Orgelfahrten wurden 7 Orgel der Hersteller besichtigt. Das Konzept des Orgelbaumeisters Dr. Wolfgang Theobald aus der Bonner Orgelbauwerkstatt Johannes Klais überzeugte restlos. Durch den Rückbau der Empore, die mit einer Tiefe von 9,00 Metern den Kirchenraum geradezu halbierte, bekommt die Architektur von Johannes Schroth wieder ihren ursprünglichen Schwung.
Die neue Orgel nähert sich in ihrer Klanglichkeit der ersten Orgel von Louis Voit an (1909, 21/II) und ist mit ihren 24 Registern erheblich kleiner, als ihre Vorgängerin. Nach gründlichen Untersuchungen und reiflichen Überlegungen fiel dann im März 2012 die Entscheidung im Stiftungsrat, eine neue Orgel anzuschaffen.
Dem Arbeitskreis für die neue Orgel gehörten an:
Bernd Schwert, Vorsitzender
Gerold Siegel, Pfarrer
Klaus Sieb, Organist
Wilhelm Reiner, Organist
Heinz Adler
Franz Rauchberger
Bernd Bauer
Norbert Walch
Nach 5 Jahren intensiver Planung, Vorbereitung und Umsetzung konnte die neue Klais-Orgel am 3. Advent, den 11. Dezember 2016 geweiht und in Betrieb genommen werden.