Erste Bemühungen, eine Kirche im Dörfel (Ludwigvorstadt) zu errichten, lassen sich bis ins Jahr 1894 zurückdatieren. Doch einfach war das Vorhaben nicht. Mehrere Jahre dauerte es, überhaupt ein geeignetes Grundstück zu finden und natürlich war auch das liebe Geld ein Problem. Als man 1913 endlich dachte, ein Grundstück gefunden zu haben, und die Verträge im Jahr darauf unterzeichnet werden konnten, machte der Ausbruch des Ersten Weltkriegs einen Strich durch sämtliche Planungen.
Herz Jesu Dörfel

Nach Ende des Ersten Weltkrieges lag Rastatt in der entmilitarisierten Zone und ehemals vom Militär genutzte Gebäude suchten eine neue Bestimmung. So auch das Offizierskasino im Dörfel. Es konnte am 10. Januar 1929 vom Kirchbauverein gekauft werden. Das Innere – ehemals ein Speisesaal – wurde zum Kirchenraum umgebaut, das Gebäude erhielt sogar einen Turm für die Glocke. Die an den Barockstil angelehnte Kirche wurde am Pfingstsonntag, dem 9. Juni 1930 geweiht. Das ehemalige Offizierskasino diente ab diesem Datum über 50 Jahre lang als Zentrum der Gläubigen in der Ludwigvorstadt und als Kloster für die Franziskanerpatres.
In der Lokalpresse als „Zierde des Dörfels“ bezeichnet, verfügt die Kirche über drei Deckengemälde: Die Verehrung des hl. Herzens durch die Stände der Kirche, die Erscheinung Jesu mit seinem heiligsten Herzen vor der hl. Margareta Maria Alacoque und das Sterben des seligen Markgrafen Bernhard von Baden (+ 1458 in Moncalieri). Gefertigt wurden die Deckengemälde vom Rastatter Kunstmaler Joseph Wagenbrenner. Die beiden Seitenaltäre (der Gottesmutter Maria und ihrem Bräutigam, dem hl. Josef geweiht) stammen ursprünglich aus dem Benediktinerkloster Schwarzach und hatten dort bis etwa 1890 ihren Platz. Sie wurden dem damals neuen Gotteshaus im Dörfel dauerhaft überlassen. Dem „Dörfler Holzschnitzer“ Robert Matthäi fiel die Aufgabe zu, passend zu den Barockaltären aus der ehem. Abtei Schwarzach einen Hochaltar für den zum Chor umgebauten früheren Freisitz im Westen zu schaffen. Dargestellt ist eine Kreuzigungsgruppe mit der Szene aus dem Johannesevangelium (Joh 19, 25 – 27), in welcher der sterbende Erlöser dem Lieblingsjünger Johannes seine Mutter anvertraut. 2007 wurde der Altarraum neu gestaltet, wobei die Schwarzwacher Seitenaltäre und der Hochaltar von Matthäi erhalten geblieben sind. Bildhauer Alois Landmann aus Merdingen entwarf das Modell, dessen Ausführung nun in der Kirche zu sehen ist. Altar und Ambo bilden gemeinsam die Mitte, so wie in der Feier der Heiligen Messe die Verkündigung des Wortes Gottes und das Brot brechen am Altar zusammen gehören. Am 15. Dezember 2007 hat Weihbischof Rainer Klug die Weihe des neuen Altares vorgenommen.
Auch wenn im Oktober 1986 die Herz-Jesu-Pfarrei eine neue Pfarrkirche im Münchfeld bezogen hat, so ist doch die alte Herz-Jesu-Kirche im Dörfel weiterhin ein Gotteshaus, das gerne aufgesucht wird und vor allem den Gläubigen aus dem Dörfel zum Gottesdienst zur Verfügung steht. In den früheren Klosterräumen der Franziskaner (genutzt von 1930 bis 1986) ist mittlerweile die Hauptstelle des Caritasverbandes in Rastatt untergebracht, so wie auch in den früheren Klosterräumen im Münchfeld (genutzt von 1986 bis 2015) weitere Einrichtungen des Caritasverbandes ihren Ort gefunden haben. Was durchaus passt zu dem, was die Verehrung des heiligsten Herzens Jesu uns lehren will: SEINE Liebe soll uns antreiben, selbst Liebende zu sein. Wir sollen unser Herz von seinem Herzen bilden lassen. Die Tätigkeit der „Caritas“ als kirchlichem Wohlfahrtsverband soll inspiriert und geprägt sein von der Liebe Jesu, deren Zeichen sein geöffnetes Herz ist.
Adresse
Herz Jesu Dörfel
Carl- Friedrich-Str. 10
76437 Rastatt
Carl- Friedrich-Str. 10
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